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Archiv für die Kategorie ‘Bürokratie’

Zweimal Praxisgebühr bitte!

30/08/2009 1 Kommentar

praxisgebühr Dass die Praxisgebühr mittlerweile zu jedem Arztbesuch gehört – zumindest im Quartal – ist uns allen bekannt. Es tut immer wieder weh, aber es ist Pflicht. Vor einiger Zeit erlebte ich zu dem Thema eine ziemlich Frechheit und möchte euch einmal davon erzählen.
Meine Freundin hatte einen routinemäßigen Termin beim Frauenarzt bei dem sie diesen einige Fragen stellen wollte. Wie immer, habe ich sie zu diesen Termin begleitet und jeder kannte mich dort bereits. Als wir dann im Wartezimmer saßen und meine Freundin aufgerufen wurde, begleitete sie die Arzthelferin in den Raum. Ich stand auf und ging hinterher. “Wollen Sie auch mit rein?” fragte sie und ich fragte mich wiederum, warum sie das überhaupt fragte, immerhin wissen die ja alle, dass ich auch immer mit reingehe. Ich sagte: “Äh ja!” und dann saßen wir beim Arzt. Meine Freundin stellte ihre Fragen, der Arzt erklärte und wir waren dann irgendwann fertig. Meine Freundin ging an die Rezeption und ich verdrückte mich erst mal auf die Toilette, da wir eine relative lange Fahrt nach Hause vor uns hatten. Als ich wieder kam, meinte meine Freundin: “Die will deine Versichertenkarte!” Ich war verwirrt, ging an die Rezeption und fragte was es damit auf sich hatte. Die Arzthelferin meinte: “Sie waren ja auch mit drin. Es ging doch um eine Beratung oder? Und im Prinzip wurden Sie vom Herrn Dr. mit beraten”. Ich dachte, dass die Frau nicht mehr richtig tickt. Diese Art von Beratung, die im Übrigen eigentlich keine war, betraf mich nicht einmal. In keinster Weise. “Sie müssen die 10 Euro auch bezahlen?” Ich sagte: “Wie bitte? Ich hab mich ja nicht mal untersuchen lassen!” Sie antwortete darauf, dass es schon reichen würde, wenn der Dr. mir auch nur die Hand geben würde und “Hallo” sagen würde. “Haben Sie eine Überweisung?” Natürlich hatte ich keine, ich hatte ja auch nicht vor zum Frauenarzt zu gehen. Die Zeit wurde knapp, da der Bus bald fahren würde also zahlte ich die beknackten 10 Euro, erwähnte aber, dass ich dieses Quartal bereits schon bei einem Arzt war. “Die 10 Euro muss ich trotzdem kassieren. Legen Sie die Überweisung vor und wir erstatten Ihnen dann die 10 Euro zurück!” Toll, dachte ich. Jetzt musste ich extra eine Überweisung holen. Ich hatte ja überhaupt keine Zeit dazu.

Zu Hause war ich erst mal total aufgebracht und rief bei meiner Krankenkasse an. Ich fragte, ob dies rechtlich überhaupt zutraf, dass man 10 Euro verlangen konnte, obwohl keine Behandlung oder dergleichen stattfand. Die Sachbearbeiterin war auch sehr verwirrt. Später sagte sie, dass es eine Ermessensfrage sei. Wenn der Arzt meint, er hätte mich ebenfalls beraten…Sie fand das zwar auch nicht richtig und etwas unverständlich, aber konnte mir in der Angelegenheit auch nicht weiterhelfen.
Als ich dann bei einem X-beliebigen Arzt um eine Überweisung bat, fragte mich die Arzthelferin dort, wofür ich diese denn brauche. Ich meinte: “Keine Ahnung. Ich musste einfach 10 Euro zahlen!” Ich erzählte ihr ebenfalls diese unglaubliche Geschichte, was sie aber so durcheinander brachte, dass ich meinte: “Schreiben Sie doch einfach ‘Kontrolle’ oder so. Ich kann Ihnen leider nichts genaueres sagen”.
Ich bekam die Überweisung, schickte sie per Post an den Frauenarzt und bekam meine 10 Euro zurück.

Irgendwie muss ich schon sagen, dass ich mich leicht diskriminiert fühle. Nur weil ich eine Frau bin und nur, weil ich zufällig mit einer zusammen bin, muss ich die Praxisgebühr bezahlen? Wäre eine Mutter mit ihrer Tochter zu einem Frauenarzt gegangen oder ein Ehemann mit seiner Frau, müssten die dann auch eine Praxisgebühr bezahlen?

Als liebe Leute da draußen. Begleitungen müssen auch zahlen! Passt besser auf, wenn ihr das nächste Mal eure Freundin oder vielleicht auch euren Freund zum Arzt begleitet. Und da heißt es doch echt: “Liebe Patienten. Nicht WIR verlangen die Praxisgebühr, sondern die gesetzlichen Krankenkassen!” Ich lache mich tot.

Kategorien:Bürokratie

Menschenhandel oder gute Sache?

zeitarbeit2 Gott sei Dank, bin ich davon erst einmal nicht mehr betroffen und auch nie in den Genuss der Zeitarbeit gekommen. Bei mir hieß es immer nur Coachings und “bewerben Sie sich auch auf Praktikumsstellen”. Bisher habe ich mit dem Thema “Zeitarbeit” nur Schlechtes verbinden können. Der Begriff lässt sich einfach erklären: Die Arbeitstätigkeit ist nur auf eine bestimmte Zeit begrenzt. Es bedeutet nicht, dass man in Teilzeit oder in dem Sinne “geringfügig” beschäftigt wird. Zeitarbeit stellt ein befristetes Arbeitsverhältnis dar, leider reden wir hier aber nicht von ein oder zwei Jahren, meistens sind es nur Tage, Wochen oder Monate.

Welche Vorteile bringt die Zeitarbeit?
Zunächst einmal sollte man darauf achten, dass die Zeitarbeitsfirma zertifiziert ist und sich auch schon einen Namen machen konnte. Oft wird man böse überrascht, beispielsweise auch, wenn es sich um Privatvermittler handelt. Hierzu benötigt man von der Arbeitsagentur/ARGE einen Vermittlungsschein. Wenn man diesen nicht hat, können enorme Kosten auf den potenziellen Arbeitnehmer zukommen. Man wird vermittelt und darf dann gleich tief in die Tasche greifen. Aber wir sind ja jetzt bei den Vorteilen:

- Langzeitarbeitslose können wieder Berufspraxis erlangen
- Man wird in vielerlei Bereiche eingesetzt (siehe auch Berufspraxis)
- Kostensenkung bei der Einstellung des neuen AN (Arbeitnehmer oder Leiharbeitnehmer) für den AG (Arbeitgeber bzw.  Entleiher)
- Es bestehen manchmal Chancen, dass man den Betrieb von sich überzeugen kann und zu einem vollen Gehalt eingestellt wird

So, jetzt grübel ich. Welche Vorteile gibt es noch? Da muss doch noch was sein? Mach ich mal mit den Nachteilen weiter:

- 40 Stunden-Woche für ein mieses Gehalt. Meist zweigt der Arbeitgeber bzw. Verleiher (hier die Zeitarbeitsfirma) ca. 20 % des Gehalts ab.
Daraus kann resultieren, dass der Leiharbeiter für 600 Euro netto in Vollzeit arbeiten muss, wo wir dann zu Punkt 2 kommen:
- Keine Gleichstellung des verleihten Arbeitnehmers zu den regulär angestellten Arbeitnehmern in einem Betrieb
- Stärker Konkurrenzkampf für regulär angestellte Arbeitnehmer. Warum soll ein Arbeitgeber viel Gehalt zahlen, wenn er mit einem Leiharbeiter viel günstiger dran ist?
- Man muss unglaublich flexibel sein und oft bleibt man nicht lange in einem Unternehmen
- Zeitarbeitsfirmen vermitteln oft nicht in die Bereiche, die man gelernt hat. Callcenter profitieren sehr von Zeitarbeit. Oder in einem noch fremderen Bereich: Wenn ich in einem Büro gearbeitet habe und jetzt Brötchen backen soll, wird mich das auch nicht weiter bringen
- Man hat nicht immer die Wahl, ob man in einem bestimmten Bereich rein will oder nicht, insbesondere wenn man Sklave der ARGE ist und es heißt, dass man JEDEN Job annehmen muss
- Die Zeitarbeitsfirma ist der Ansprechpartner, nicht das Unternehmen
- Hat man einmal einen Vertrag bei der Zeitarbeitsfirma unterschrieben, können die mit dem Arbeitnehmer machen was sie wollen. Es könnte heißen, dass man in einem Büro untergebracht wird und dann wird versprochen, dass es gute Chancen gibt übernommen zu werden. Man unterschreibt und arbeitet eine Woche in dem Unternehmen. Die wissen aber nichts von einer solchen Abmachung und geben dich wieder ab. Daraufhin kann die Zeitarbeitsfirma dich in wirklich jeden Bereich stecken, ob man will oder nicht. Kündigen? Da hat dann meistens die ARGE auch noch ein Wörtchen mitzureden.
- Wenn ein Arbeitgeber unseriös ist und alle Interessten einer Arbeitsstelle absagen, weicht ein Arbeitgeber öfter in Zeitarbeit aus. So übernimmt der Zeitarbeitnehmer dann die Drecksarbeit für einen Hungerlohn.
- Oft wird man verarscht. Bei Zeitarbeitsfirmen wird man praktisch immer eingeladen, schon aus Adressenfang-Gründen. Man bewirbt sich auf eine Stelle im Sekretariat und wenn man eingeladen wird, weiß die Zeitarbeitsfirma plötzlich nicht mehr, dass es eine solche Stelle je gegeben hat. Dann heißt es:

| “Im Sekretariatsbereich haben wir gerade nichts. Aber im Callcenter oder in der Datenerfassung könnten wir Sie unterbringen”.

Dies sind in etwa die Erfahrungen, die ich mit Zeitarbeit sammeln konnte oder Ereignisse, die ich gelesen oder gehört habe. Es soll aber auch Zeitarbeitsfirmen geben, die wirklich seriös sind. Dies sieht man meistens daran, wenn man nicht nach 30 Minuten sofort die Einladung im E-Mail-Postfach hat oder die ehrlich sagen, dass sie gerade keine Stelle zu vermitteln haben oder, die dich wirklich in Ruhe lassen, wenn sie anrufen und fragen, ob jene Stelle etwas für einen sei und man freundlich ablehnt.
Bisher habe ich nur die Fälle erlebt, wo eine Vermittlerin anrief, man zwar sagte, dass man kein Interesse hat, sie aber unbedingt darauf bestand, dass du die Stelle annimmst und am besten noch heute den Vertrag unterschreibst. Am liebsten würde ich den Namen dieser Zeitarbeitsfirma nennen, aber besser nicht: “RRRRR” …

Fazit:
Zeitarbeit würde ich in Erwägung ziehen wenn:
- ich schon sehr lange arbeitslos wäre und merke, dass es einfach nicht klappt
- wenn mein Partner möglicherweise ebenfalls verdient (da man von 600 Euro netto nicht sehr gut leben könnte)
- wenn ich wirklich weiß, dass die Zeitarbeitsfirma sich einen guten Namen machen konnte und seriös ist

Ansonsten heißt es einfach: Weiterhin bewerben, noch überzeugender werden, nicht aufgeben und gucken, wo man sich günstig weiterbilden kann. Der letzte Ausweg könnte auch eine zweite Berufsausbildung sein.
Mich würde sehr interessieren, was ihr für Erfahrungen gemacht habt. Meine Angaben bleiben ohne Gewähr und spiegeln nur wieder was ich erlebt und gehört habe.

Gern könnt ihr mir auch mailen:

Kategorien:Bürokratie
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