Zweimal Praxisgebühr bitte!
Dass die Praxisgebühr mittlerweile zu jedem Arztbesuch gehört – zumindest im Quartal – ist uns allen bekannt. Es tut immer wieder weh, aber es ist Pflicht. Vor einiger Zeit erlebte ich zu dem Thema eine ziemlich Frechheit und möchte euch einmal davon erzählen.
Meine Freundin hatte einen routinemäßigen Termin beim Frauenarzt bei dem sie diesen einige Fragen stellen wollte. Wie immer, habe ich sie zu diesen Termin begleitet und jeder kannte mich dort bereits. Als wir dann im Wartezimmer saßen und meine Freundin aufgerufen wurde, begleitete sie die Arzthelferin in den Raum. Ich stand auf und ging hinterher. “Wollen Sie auch mit rein?” fragte sie und ich fragte mich wiederum, warum sie das überhaupt fragte, immerhin wissen die ja alle, dass ich auch immer mit reingehe. Ich sagte: “Äh ja!” und dann saßen wir beim Arzt. Meine Freundin stellte ihre Fragen, der Arzt erklärte und wir waren dann irgendwann fertig. Meine Freundin ging an die Rezeption und ich verdrückte mich erst mal auf die Toilette, da wir eine relative lange Fahrt nach Hause vor uns hatten. Als ich wieder kam, meinte meine Freundin: “Die will deine Versichertenkarte!” Ich war verwirrt, ging an die Rezeption und fragte was es damit auf sich hatte. Die Arzthelferin meinte: “Sie waren ja auch mit drin. Es ging doch um eine Beratung oder? Und im Prinzip wurden Sie vom Herrn Dr. mit beraten”. Ich dachte, dass die Frau nicht mehr richtig tickt. Diese Art von Beratung, die im Übrigen eigentlich keine war, betraf mich nicht einmal. In keinster Weise. “Sie müssen die 10 Euro auch bezahlen?” Ich sagte: “Wie bitte? Ich hab mich ja nicht mal untersuchen lassen!” Sie antwortete darauf, dass es schon reichen würde, wenn der Dr. mir auch nur die Hand geben würde und “Hallo” sagen würde. “Haben Sie eine Überweisung?” Natürlich hatte ich keine, ich hatte ja auch nicht vor zum Frauenarzt zu gehen. Die Zeit wurde knapp, da der Bus bald fahren würde also zahlte ich die beknackten 10 Euro, erwähnte aber, dass ich dieses Quartal bereits schon bei einem Arzt war. “Die 10 Euro muss ich trotzdem kassieren. Legen Sie die Überweisung vor und wir erstatten Ihnen dann die 10 Euro zurück!” Toll, dachte ich. Jetzt musste ich extra eine Überweisung holen. Ich hatte ja überhaupt keine Zeit dazu.
Zu Hause war ich erst mal total aufgebracht und rief bei meiner Krankenkasse an. Ich fragte, ob dies rechtlich überhaupt zutraf, dass man 10 Euro verlangen konnte, obwohl keine Behandlung oder dergleichen stattfand. Die Sachbearbeiterin war auch sehr verwirrt. Später sagte sie, dass es eine Ermessensfrage sei. Wenn der Arzt meint, er hätte mich ebenfalls beraten…Sie fand das zwar auch nicht richtig und etwas unverständlich, aber konnte mir in der Angelegenheit auch nicht weiterhelfen.
Als ich dann bei einem X-beliebigen Arzt um eine Überweisung bat, fragte mich die Arzthelferin dort, wofür ich diese denn brauche. Ich meinte: “Keine Ahnung. Ich musste einfach 10 Euro zahlen!” Ich erzählte ihr ebenfalls diese unglaubliche Geschichte, was sie aber so durcheinander brachte, dass ich meinte: “Schreiben Sie doch einfach ‘Kontrolle’ oder so. Ich kann Ihnen leider nichts genaueres sagen”.
Ich bekam die Überweisung, schickte sie per Post an den Frauenarzt und bekam meine 10 Euro zurück.
Irgendwie muss ich schon sagen, dass ich mich leicht diskriminiert fühle. Nur weil ich eine Frau bin und nur, weil ich zufällig mit einer zusammen bin, muss ich die Praxisgebühr bezahlen? Wäre eine Mutter mit ihrer Tochter zu einem Frauenarzt gegangen oder ein Ehemann mit seiner Frau, müssten die dann auch eine Praxisgebühr bezahlen?
Als liebe Leute da draußen. Begleitungen müssen auch zahlen! Passt besser auf, wenn ihr das nächste Mal eure Freundin oder vielleicht auch euren Freund zum Arzt begleitet. Und da heißt es doch echt: “Liebe Patienten. Nicht WIR verlangen die Praxisgebühr, sondern die gesetzlichen Krankenkassen!” Ich lache mich tot.