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Archive for the ‘Bürokratie’ Category

Zweimal Praxisgebühr bitte!

30/08/2009 1 Kommentar

praxisgebühr Dass die Praxisgebühr mittlerweile zu jedem Arztbesuch gehört – zumindest im Quartal – ist uns allen bekannt. Es tut immer wieder weh, aber es ist Pflicht. Vor einiger Zeit erlebte ich zu dem Thema eine ziemlich Frechheit und möchte euch einmal davon erzählen.
Meine Freundin hatte einen routinemäßigen Termin beim Frauenarzt bei dem sie diesen einige Fragen stellen wollte. Wie immer, habe ich sie zu diesen Termin begleitet und jeder kannte mich dort bereits. Als wir dann im Wartezimmer saßen und meine Freundin aufgerufen wurde, begleitete sie die Arzthelferin in den Raum. Ich stand auf und ging hinterher. „Wollen Sie auch mit rein?“ fragte sie und ich fragte mich wiederum, warum sie das überhaupt fragte, immerhin wissen die ja alle, dass ich auch immer mit reingehe. Ich sagte: „Äh ja!“ und dann saßen wir beim Arzt. Meine Freundin stellte ihre Fragen, der Arzt erklärte und wir waren dann irgendwann fertig. Meine Freundin ging an die Rezeption und ich verdrückte mich erst mal auf die Toilette, da wir eine relative lange Fahrt nach Hause vor uns hatten. Als ich wieder kam, meinte meine Freundin: „Die will deine Versichertenkarte!“ Ich war verwirrt, ging an die Rezeption und fragte was es damit auf sich hatte. Die Arzthelferin meinte: „Sie waren ja auch mit drin. Es ging doch um eine Beratung oder? Und im Prinzip wurden Sie vom Herrn Dr. mit beraten“. Ich dachte, dass die Frau nicht mehr richtig tickt. Diese Art von Beratung, die im Übrigen eigentlich keine war, betraf mich nicht einmal. In keinster Weise. „Sie müssen die 10 Euro auch bezahlen?“ Ich sagte: „Wie bitte? Ich hab mich ja nicht mal untersuchen lassen!“ Sie antwortete darauf, dass es schon reichen würde, wenn der Dr. mir auch nur die Hand geben würde und „Hallo“ sagen würde. „Haben Sie eine Überweisung?“ Natürlich hatte ich keine, ich hatte ja auch nicht vor zum Frauenarzt zu gehen. Die Zeit wurde knapp, da der Bus bald fahren würde also zahlte ich die beknackten 10 Euro, erwähnte aber, dass ich dieses Quartal bereits schon bei einem Arzt war. „Die 10 Euro muss ich trotzdem kassieren. Legen Sie die Überweisung vor und wir erstatten Ihnen dann die 10 Euro zurück!“ Toll, dachte ich. Jetzt musste ich extra eine Überweisung holen. Ich hatte ja überhaupt keine Zeit dazu.

Zu Hause war ich erst mal total aufgebracht und rief bei meiner Krankenkasse an. Ich fragte, ob dies rechtlich überhaupt zutraf, dass man 10 Euro verlangen konnte, obwohl keine Behandlung oder dergleichen stattfand. Die Sachbearbeiterin war auch sehr verwirrt. Später sagte sie, dass es eine Ermessensfrage sei. Wenn der Arzt meint, er hätte mich ebenfalls beraten…Sie fand das zwar auch nicht richtig und etwas unverständlich, aber konnte mir in der Angelegenheit auch nicht weiterhelfen.
Als ich dann bei einem X-beliebigen Arzt um eine Überweisung bat, fragte mich die Arzthelferin dort, wofür ich diese denn brauche. Ich meinte: „Keine Ahnung. Ich musste einfach 10 Euro zahlen!“ Ich erzählte ihr ebenfalls diese unglaubliche Geschichte, was sie aber so durcheinander brachte, dass ich meinte: „Schreiben Sie doch einfach ‚Kontrolle‘ oder so. Ich kann Ihnen leider nichts genaueres sagen“.
Ich bekam die Überweisung, schickte sie per Post an den Frauenarzt und bekam meine 10 Euro zurück.

Irgendwie muss ich schon sagen, dass ich mich leicht diskriminiert fühle. Nur weil ich eine Frau bin und nur, weil ich zufällig mit einer zusammen bin, muss ich die Praxisgebühr bezahlen? Wäre eine Mutter mit ihrer Tochter zu einem Frauenarzt gegangen oder ein Ehemann mit seiner Frau, müssten die dann auch eine Praxisgebühr bezahlen?

Als liebe Leute da draußen. Begleitungen müssen auch zahlen! Passt besser auf, wenn ihr das nächste Mal eure Freundin oder vielleicht auch euren Freund zum Arzt begleitet. Und da heißt es doch echt: „Liebe Patienten. Nicht WIR verlangen die Praxisgebühr, sondern die gesetzlichen Krankenkassen!“ Ich lache mich tot.

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Kategorien:Bürokratie

Menschenhandel oder gute Sache?

zeitarbeit2 Gott sei Dank, bin ich davon erst einmal nicht mehr betroffen und auch nie in den Genuss der Zeitarbeit gekommen. Bei mir hieß es immer nur Coachings und „bewerben Sie sich auch auf Praktikumsstellen“. Bisher habe ich mit dem Thema „Zeitarbeit“ nur Schlechtes verbinden können. Der Begriff lässt sich einfach erklären: Die Arbeitstätigkeit ist nur auf eine bestimmte Zeit begrenzt. Es bedeutet nicht, dass man in Teilzeit oder in dem Sinne „geringfügig“ beschäftigt wird. Zeitarbeit stellt ein befristetes Arbeitsverhältnis dar, leider reden wir hier aber nicht von ein oder zwei Jahren, meistens sind es nur Tage, Wochen oder Monate.

Welche Vorteile bringt die Zeitarbeit?
Zunächst einmal sollte man darauf achten, dass die Zeitarbeitsfirma zertifiziert ist und sich auch schon einen Namen machen konnte. Oft wird man böse überrascht, beispielsweise auch, wenn es sich um Privatvermittler handelt. Hierzu benötigt man von der Arbeitsagentur/ARGE einen Vermittlungsschein. Wenn man diesen nicht hat, können enorme Kosten auf den potenziellen Arbeitnehmer zukommen. Man wird vermittelt und darf dann gleich tief in die Tasche greifen. Aber wir sind ja jetzt bei den Vorteilen:

– Langzeitarbeitslose können wieder Berufspraxis erlangen
– Man wird in vielerlei Bereiche eingesetzt (siehe auch Berufspraxis)
– Kostensenkung bei der Einstellung des neuen AN (Arbeitnehmer oder Leiharbeitnehmer) für den AG (Arbeitgeber bzw.  Entleiher)
– Es bestehen manchmal Chancen, dass man den Betrieb von sich überzeugen kann und zu einem vollen Gehalt eingestellt wird

So, jetzt grübel ich. Welche Vorteile gibt es noch? Da muss doch noch was sein? Mach ich mal mit den Nachteilen weiter:

– 40 Stunden-Woche für ein mieses Gehalt. Meist zweigt der Arbeitgeber bzw. Verleiher (hier die Zeitarbeitsfirma) ca. 20 % des Gehalts ab.
Daraus kann resultieren, dass der Leiharbeiter für 600 Euro netto in Vollzeit arbeiten muss, wo wir dann zu Punkt 2 kommen:
Keine Gleichstellung des verleihten Arbeitnehmers zu den regulär angestellten Arbeitnehmern in einem Betrieb
– Stärker Konkurrenzkampf für regulär angestellte Arbeitnehmer. Warum soll ein Arbeitgeber viel Gehalt zahlen, wenn er mit einem Leiharbeiter viel günstiger dran ist?
– Man muss unglaublich flexibel sein und oft bleibt man nicht lange in einem Unternehmen
– Zeitarbeitsfirmen vermitteln oft nicht in die Bereiche, die man gelernt hat. Callcenter profitieren sehr von Zeitarbeit. Oder in einem noch fremderen Bereich: Wenn ich in einem Büro gearbeitet habe und jetzt Brötchen backen soll, wird mich das auch nicht weiter bringen
– Man hat nicht immer die Wahl, ob man in einem bestimmten Bereich rein will oder nicht, insbesondere wenn man Sklave der ARGE ist und es heißt, dass man JEDEN Job annehmen muss
– Die Zeitarbeitsfirma ist der Ansprechpartner, nicht das Unternehmen
– Hat man einmal einen Vertrag bei der Zeitarbeitsfirma unterschrieben, können die mit dem Arbeitnehmer machen was sie wollen. Es könnte heißen, dass man in einem Büro untergebracht wird und dann wird versprochen, dass es gute Chancen gibt übernommen zu werden. Man unterschreibt und arbeitet eine Woche in dem Unternehmen. Die wissen aber nichts von einer solchen Abmachung und geben dich wieder ab. Daraufhin kann die Zeitarbeitsfirma dich in wirklich jeden Bereich stecken, ob man will oder nicht. Kündigen? Da hat dann meistens die ARGE auch noch ein Wörtchen mitzureden.
– Wenn ein Arbeitgeber unseriös ist und alle Interessten einer Arbeitsstelle absagen, weicht ein Arbeitgeber öfter in Zeitarbeit aus. So übernimmt der Zeitarbeitnehmer dann die Drecksarbeit für einen Hungerlohn.
– Oft wird man verarscht. Bei Zeitarbeitsfirmen wird man praktisch immer eingeladen, schon aus Adressenfang-Gründen. Man bewirbt sich auf eine Stelle im Sekretariat und wenn man eingeladen wird, weiß die Zeitarbeitsfirma plötzlich nicht mehr, dass es eine solche Stelle je gegeben hat. Dann heißt es:

| „Im Sekretariatsbereich haben wir gerade nichts. Aber im Callcenter oder in der Datenerfassung könnten wir Sie unterbringen“.

Dies sind in etwa die Erfahrungen, die ich mit Zeitarbeit sammeln konnte oder Ereignisse, die ich gelesen oder gehört habe. Es soll aber auch Zeitarbeitsfirmen geben, die wirklich seriös sind. Dies sieht man meistens daran, wenn man nicht nach 30 Minuten sofort die Einladung im E-Mail-Postfach hat oder die ehrlich sagen, dass sie gerade keine Stelle zu vermitteln haben oder, die dich wirklich in Ruhe lassen, wenn sie anrufen und fragen, ob jene Stelle etwas für einen sei und man freundlich ablehnt.
Bisher habe ich nur die Fälle erlebt, wo eine Vermittlerin anrief, man zwar sagte, dass man kein Interesse hat, sie aber unbedingt darauf bestand, dass du die Stelle annimmst und am besten noch heute den Vertrag unterschreibst. Am liebsten würde ich den Namen dieser Zeitarbeitsfirma nennen, aber besser nicht: „RRRRR“ …

Fazit:
Zeitarbeit würde ich in Erwägung ziehen wenn:
– ich schon sehr lange arbeitslos wäre und merke, dass es einfach nicht klappt
– wenn mein Partner möglicherweise ebenfalls verdient (da man von 600 Euro netto nicht sehr gut leben könnte)
– wenn ich wirklich weiß, dass die Zeitarbeitsfirma sich einen guten Namen machen konnte und seriös ist

Ansonsten heißt es einfach: Weiterhin bewerben, noch überzeugender werden, nicht aufgeben und gucken, wo man sich günstig weiterbilden kann. Der letzte Ausweg könnte auch eine zweite Berufsausbildung sein.
Mich würde sehr interessieren, was ihr für Erfahrungen gemacht habt. Meine Angaben bleiben ohne Gewähr und spiegeln nur wieder was ich erlebt und gehört habe.

Gern könnt ihr mir auch mailen:

Kategorien:Bürokratie

Der Leitfaden für Arbeitgeber

11/07/2009 1 Kommentar

Diktatoren Menschen sind dankbar, wenn sie eine Arbeitsstelle haben. Manche sind natürlich auch weniger dankbar, aber dies hat sehr oft ganz bestimmte Gründe z. B. wenn der Chef ein Rindvieh ist oder die Kollegen/innen ständig rumzicken und das gesamte Klima beschädigt ist. Ein Chef, der dich vielleicht unterbezahlt oder dich mit Überstunden zuschüttet. *Soll* es ja geben.
Vor langer Zeit erhielt ich von jemanden eine Art Leitfaden und viele kennen ihn. Es sind „die 10 Gebote für Diktatoren„. Das Wort „Diktator“ wird als „Herrscher eines illegitimen Regimes“ bezeichnet. Kommt daher auch „Diktieren“? Gerade in meinem erlernten Beruf habe ich viel mit Diktaten zu tun und daher passen die 10 Gebote wie die Faust aufs Auge.

Dieser „Leitfaden“ bezieht sich weniger auf die Sekretärinnen, sondern vielmehr auf die Chefs.
Vielleicht findet ihr euch ja wieder, daher beginne ich jetzt mit dem ersten Gebot.

1. Nehmen Sie beim Diktieren nie die Zigarette aus dem Mund. Ihre Aussprache wird dadurch zwar undeutlicher, sie wirkt aber lässiger und weltmännischer.
Bedeutung: Es soll Chefs geben, die während eines Diktats rauchen (oder vielleicht sogar essen). Sie diktieren uns Briefe und wir verstehen kein Wort.

2. Buchstabieren Sie auf keinen Fall Namen, Adressen und seltene Fachausdrücke. Sie nehmen sonst der Sekretärin die Freude, bei dieser Gelegenheit ihre Fantasie und ihr Kombinationsvermögen beweisen zu können.
Bedeutung: Namen und Adressen befinden sich natürlich meist in den Akten. Aber wenn man beispielsweise ein Beweisangebot schreibt oder Zeugen erwähnen muss, ist es oft schwierig die Namen korrekt wiederzugeben insbesondere, wenn es sich um ausländische Namen handelt. Fachbegriffe sind auch nicht immer ganz einfach. Buchstabieren ist aber auch sowas von obsolet.

3. Sorgen Sie für kleine Überraschungen, damit die Arbeit nicht zu monoton wird. Es wirkt ungemein belebend, wenn die Ankündigung, dass noch ein Absatz zusätzlich am Anfang benötigt wird, erst dann kommt, wenn der Brief nahezu fertig ist.
Bedeutung: Selbst wenn die Arbeit monoton wirkt: Neue Absätze in fertig formatierten Briefen einfügen macht niemals spaß. Besonders schön ist es, wenn man bereits alles so gut wie ausgefertigt hat und dann heißt es: „Oh, mir ist noch eingefallen. Schreiben Sie unter 2. noch folgendes….“

4. Halten Sie sich nicht damit auf, handschriftliche Notizen und Vermerke deutlich zu schreiben. Jede Frau hat eine Schwäche für markante, individuelle Schrift.
Bedeutung: „Doktorschrift“ hassen wir im Sekretariat. Ich habe bisher noch einigermaßen Glück gehabt, aber meine Freundin hatte schon mal einen, der zwar den ersten Buchstaben leserlich schrieb, aber den Rest des Wortes mit komischen Schlänkern vervollständigt hat. Irgendwelche Wellen. Hier kann man dann lange darüber nachdenken, was da wohl gemeint war. Am Ende bekommt die Sekretärin natürlich den Ärger, wenn sie ihre Fantasie tatsächlich spielen ließ.

5. Wenn Sie einen Tippfehler gefunden haben, dann streichen Sie den ganzen Brief dick durch, auch wenn Ihre Sekretärin ihn ausbessern könnte. Ihr imponiert ein Chef, der auch in Kleinigkeiten genau ist.
Bedeutung: Mein damaliger Chef war ein „Künstler“. Er hat aus einem „n“ ein „m“ gemacht, aus einem „o“ ein „a“ oder ähnliches. Bisher hat noch niemand meine Briefe dick durchgestrichen, aber wer weiß? Das wäre selbstverständlich inakzeptabel!

6. Bringen Sie Ihre Bänder mit „Eilt sehr“ immer erst am späten Nachmittag, die meisten Sekretärinnen schätzen einen rasanten Endspurt zum Feierabend außerordentlich.
Bedeutung: Gerade in meinem Beruf kommt dies vor. Es heißt dann: „Das muss unbedingt HEUTE noch raus! Schreiben Sie das schnell!“ Wenn wir uns schon 7 1/2 Stunden abgerackert haben, freuen wir uns selbstverständlich über die Überstunden. Wir sind doch gern länger als geplant im Büro. Wer will schon zu Hause rumhocken?

7. Sekretärinnen haben selten ein gemütliches Heim. Sie sind dankbar für jede Gelegenheit, ihren Feierabend im Büro an der ihnen so vertrauten Maschine verbringen zu können.
Bedeutung: Siehe 6. Überstunden! Herrlich!

8. Wenn Ihre Post besonders eilig ist (Normalfall), spornen Sie Ihre Mitarbeiterin am besten dadurch an, wenn Sie in den Abständen von ein bis zwei Minuten nachsehen, wie weit sie ist.
Bedeutung: „Sind Sie schon fertig?“ Die Eiligkeit wird hierdurch enorm gestört.

9. Wenn es mal nicht ganz so eilig ist, was allerdings Ihrem Ruf, einen äußerst wichtigen Posten zu bekleiden, schadet, sehen Sie ihr beim Schreiben zu. Es wird ihre Konzentration spürbar fördern, wenn sie weiß, dass Sie bei dieser Gelegenheit ausgiebig ihren hübschen Nacken betrachten können.
Bedeutung: Nun ja. Nicht jeder Chef würde sich gern den Nacken seiner Mitarbeiterin ansehen. Aber das Nebendranstehen ist wirklich nicht hilfreich, dadurch geht es meistens nicht schneller, sondern sehr viel langsamer. Man fühlt sich dann, wie bei einer Beurteilung.

10. Wenn Sie alle Regeln richtig befolgen und Ihre Sekretärin kündigt immer noch nicht, dann haben Sie die Gewissheit: An Ihnen liegt es nicht!

Meine Tipps für ein wirklich gutes Arbeitsverhältnis und ein gutes Betriebsklima ist:

1. Gute Bezahlung:
Wer gut bezahlt wird, hat auch einen Antrieb und macht vielleicht sogar gern mal ein paar Überstunden.
2. Einen sauberen Arbeitsplatz:
Wer ins Büro kommt und die Akten liegen teilweise auf dem Boden rum, symbolisiert dies Chaos und Stress.
3. Ein strukturierter Arbeitsplatz mit strukturieren Aufgabengebieten:
Es wäre langweilig, wenn man immer nur dasselbe macht, aber Struktur muss sein. Unbedingt! Es ist immer sinnvoll, wenn man seine Arbeit „abarbeiten“ kann. Am Ende des Tages ist man dann glücklich, wenn der Berg nur noch ein Zwerg ist.
4. Akzeptable Arbeitszeiten:
In der Regel hat man eine 40-Stunden Woche mit 8 Stunden pro Tag. Es kommt aber immer drauf an, wann man anfängt. Lieber früher anfangen und früher Feierabend haben, als zu spät anfangen und bis in den Abend arbeiten!
5. Frühstück oder Mittagsessen mit der gesamten oder teilweisen Belegschaft.
Fördert das Betriebsklima!
6. Absetzung der Fahrtkosten:
Muss ein Arbeitnehmer jeden Tag rumpendeln, würde er sich freuen, wenn der Chef die Monatskarte übernehmen könnte. Immerhin kann er diese absetzen und es bleibt mehr Gehalt für den Arbeitnehmer.
7. Loben Sie Ihre Sekretärin auch mal, wenn sie es verdient
8. Weihnachtsgeld:
Darüber freut sich jeder!
9. Steigerung des Gehalts bei guter Leistung
10. Kommunikation:
Es ist sehr wichtig, wenn man mit seinem Arbeitgeber auch tatsächlich reden kann. Außerdem fördert die Kommunikation ein reibungslosen Arbeitsverkehr.

Ich könnte jetzt noch ewig weiter erzählen, aber das führt zu weit.
Jedenfalls ist mein Motto: „Ein gutgelaunter zufriedener Arbeitnehmer arbeitet besser“. Wenn man jeden Morgen aufsteht, frühstückt und denkt: „Ich will da nicht hin!“ Dann stimmt etwas nicht und das sieht man dann auch an der Arbeitsleistung.

Mich würde interessieren, wie eure Erfahrungen im Arbeitsleben sind. Ihr könnt mir gerne mailen (frag_cici[at]hotmail.de) oder ihr schreibt fix ins Kommentarsystem.

~ Cici

Kategorien:Allgemein, Bürokratie

Partner? Also bitte zahlen!

Prostitution Prostitution in Deutschland war verboten, zumindest bis zum Jahre 2002, wo lt. eines Artikels dieser „Beruf“ als solcher anerkannt wurde. (Quelle)
Die Prostitution reicht bis in die Politik und vor allem bis zu unserem Sozialwesen.
Beispielsweise bei meinem Lieblingsthema, eine Gemeinschaft, ein Zusammenschluss, der Retter in der Not: Die Arbeitsgemeinschaft.

Wenn du mit deiner besten Freundin zusammen lebst, musst du bei der ARGE angeben, dass du mit dieser eine WG führst. Sobald du aber mit ihr „ins Bett“ gehst, musst du angeben, dass du in einer BG (Bedarfsgemeinschaft) lebst. Wer also „Geschlechtsverkehr“ hat muss zahlen und nicht nur bei den armen Männern, die Kinder in die Welt setzen oder ihre Ex-Frauen „unterhalten“ müssen. Es heißt etwa: „Wer regelmäßig und ständig…mindestens ein Jahr…“.
Einmal im Sack, kommt man nicht so schnell wieder heraus. Hier spielt keine Rolle mehr, ob man getrennte Konten führt und auch keine Kontovollmachten erteilt hat, seinen „Sexpartner“ keine finanzielle Hilfe oder Zuwendung leistet, nicht aus dem selben Topf wirtschaftet – nein, man muss für den Partner aufkommen, besonders wenn einer wieder verdient. Siehe hierzu meinen anderen Bericht.
Anders wie bei dem Ehegattenunterhalt muss man hier auch schon zahlen, obwohl man nicht einmal verlobt ist, nicht einmal verheiratet und erst recht keine Kinder „gemeinsam“ hat.  Die ARGE nennt das gern Vermögens- u. Einstandsgemeinschaft. Auch wenn man beides nicht erfüllen kann oder will: Wer miteinander ins Bett geht muss zahlen. Ich betone: Wenn du einen guten Freund oder Freundin hast, ihr aber schön die Finger bei euch behaltet, handelt es sich um eine WG!

hartz_iv01 Hier haben wir die Anlage VE zum ALG II Antrag, die selbstverständlich dem Hauptantrag nicht beliegt. Die ARGE will doch schließlich HELFEN und dich nicht aufs Kreuz legen. Daher fügen sie die wichtige Anlage VE den Anträgen auch nicht bei. Anlage VM wird allerdings immer anliegen. Hier gehts nämlich um DEIN Geld.
(Anlage VE PDF).
„Wenn Sie 1a und 1d mit JA beantworten, wird davon ausgegangen, dass es sich um eine BG handelt“. Wenn man allerdings nur 1a bejahen kann: Scheiß drauf, auch dann ist man eine BG!

Dann gibt es noch dieses nette Formular vom Arbeitslosennetz.
Wenn man hier überall die Kreuzchen machen kann, hat man trotzdem verloren. Die ARGE wird diese „Bestätigung“ sowas von wegschmettern, dass man am Ende nur noch beim Anwalt hocken kann und zusehen muss, wie man verliert. Willst du deinen Partner ernähren? Willst du ihm „Taschengeld“ geben? Für ihn einkaufen? Das Hausmütterchen spielen? Nein, eigentlich nicht, nicht unbedingt. Laut ARGE bedeutet Sex auch Vermögens- u. Einstandsgemeinschaft, ob man einsteht oder nicht.

Schwule und Lesben werden rechtlich noch immer nicht wirklich gleichgestellt (beispielsweise: Steuervorteile, Ehe).
Aber bei der ARGE, da werden die Homos gleichgestellt. Es ist aber auch nur fair, weil die Heten ja auch zahlen müssen, auch wenn sie sonst überall ihre Vorteile abkassieren.
Alles was bleibt und was viele machen: Trennt euch! Trennt euch, damit ihr für die ARGE nicht mehr anschaffen gehen müsst. Das ist mein Tipp.

Kategorien:Bürokratie

Armut in Deutschland oder auch: Hartz IV

22/06/2008 1 Kommentar

hartzlogo Da mich dieses Thema schon länger beschäftigt und eigentlich jeden beschäftigen sollte, werde ich mich heute ein wenig über das ungerechte und unsoziale Deutschland auslassen.

In der Badischen Zeitung vom Samstag (21. Juni 2008), beschäftigte man sich mit dem Artikel „Wer ist arm im reichen Deutschland“ und auch Anne Will hat sich in ihrer Sendung vom 25.05. „Hungern muss hier keiner – Ein Land redet sich arm“ (hier) mit dem Thema befasst. Auf der Website kann mich sich übrigens die ganze Sendung ansehen, es lohnt sich.

Es heißt immer, dass Deutschland ein Sozialstaat ist und dass man die Arbeitslosen von der Straße haben will. Vor allem aber heißt es, dass seit Angela Merkel als Bundeskanzlerin und der CDU die Arbeitslosenquote ja drastisch zurückgegangen sei. Hier sei kurz angemerkt, dass es sich um absolut falsche Zahlen handelt. In dieser Statistik werden auch die Leute mit eingebunden, die vom Arbeitsamt „Maßnahmen“ machen müssen. In der Statistik gelten sie dann nicht mehr als arbeitslos, obwohl sie natürlich nach wie vor Geld von der Agentur für Arbeit oder der Arbeitsgemeinschaft beziehen. Diesen Zahlen sollte man keineswegs blind trauen.

hartz_iv_karikatur02 Früher war ich immer der Meinung, dass Hartz IV-Empfänger meist „durch die Bank“ Schmarotzer sind. In Wahrheit habe ich mich aber nie mit dem Thema befasst. Ich habe nur depressive Leute gesehen, die meiner Meinung nach ihr Schicksal selbst zu verantworten haben. Heute kann ich mir nur an den Kopf fassen und mich fragen, wie ich nur eine solche Einstellung haben konnte.
Es gibt wirklich viele Vorurteile gegenüber den arbeitslosen Menschen in Deutschland die Hartz IV beziehen. Sprüche wie: „Ihr bekommt ja genug Hartz IV! Wir gehen 40 Stunden die Woche arbeiten und haben immer noch weniger Geld. Da würde ich ja lieber auch nicht mehr arbeiten gehen!“
Dann gibt es die, die wirklich nicht arbeiten gehen wollen, aber das hat oft auch ganz andere Gründe. Nicht, weil ihnen der nötige Antrieb fehlt, sondern weil sie unter Umständen für einen wirklichen Hungerlohn arbeiten müssten. Viel Geld bekommen Hartz IV-Empfänger übrigens nicht. Da sollten sich die Erwerbstätigen mal erkundigen, bevor sie so etwas sagen…

Ein Beispiel:
Die 20-Jährige Karin B. aus Karlsruhe hat ihre Lehre beendet. Sie verdiente im Schnitt (3. Lehrjahr) nur knapp € 450,00 brutto, da sie einen Beruf erlernt hat, der nicht sehr gut bezahlt wird. Ihr Chef will sie nicht weiter übernehmen und sie muss sich natürlich dringend einen neuen Job suchen und bewirbt sich fleißig.
Karin B. hat einen Freund, Thomas A., welcher seit 1 1/2 Jahren Hartz IV bekommt. Thomas ist gewiss nicht faul, im Monat bringt er bis zu 20 Bewerbungen raus, manchmal mehr, manchmal weniger.
Da Thomas und Karin ein Paar sind, gab Thomas bei der Hartz IV Antragsstellung an, dass er mit Karin (die bis dato noch Azubi war) eine Beziehung hat und somit in einer „Bedarfsgemeinschaft“ lebt. Thomas wäre nie auf die Idee gekommen die ARGE (Arbeitsgemeinschaft) anzulügen, immerhin wohnen er und Karin zusammen in einer Wohnung. Ach und was man doch nicht alles hört: „Wenn ihr lügt, kommen die vorbei und machen Hausdurchsuchung! Es können strafrechtliche Folgen
drohen, wenn die ARGE dahinter kommt, dass ihr ein Paar seid! Seid lieber ehrlich“.
Dies gilt übrigens auch für gleichgeschlechtliche Paare. Da Thomas kein Risiko eingehen wollte, war er ehrlich.

Karin stellt sich auf die Arbeitslosigkeit ein und ist irgendwie froh, dass sie ein Jahr ALG I statt sofort Hartz IV bekommen würde. Sie rechnet ihr Arbeitslosengeld im Internet aus. Ihr bleibt das Herz stehen, als sie das Ergebnis ihrer Berechnung sieht: € 210,30. Sie fragt sich, wie sie Thomas davon ihren Mietanteil bezahlen soll und sich zusätzlich noch ernähren soll. Sie lässt sich von Experten beraten die ihr sagen, dass sie zu dem ALG I kein Wohngeld beantragen könne, da ALG I + Wohngeld noch unter dem Hartz IV Regelsatz wären. Wenn sie nicht verhungern will, sollte bzw. muss sie sofort einen ALG II Antrag stellen. Karin ist also frisch aus der Ausbildung und rutscht unfreiwillig in Hartz IV.

Karin bewirbt sich weiter und weiter und hat einige Vorstellungsgespräche gehabt. Plötzlich hat sie Erfolg und jemand möchte sie einstellen. Brutto würde sie € 1.500,00 verdienen.
Hier kommen wir nun zu einem paradoxen Ergebnis. Wenn Karin diese Stelle annimmt, bekommt Thomas nur noch € 0,00 Hartz IV – also gar nichts. Begründung: Karin verdient. (Ihr Auszubildendengehalt blieb damals wegen der Geringfügigkeit unberücksichtigt). Dass Karin jetzt aber nur knapp € 1.048,00 (netto) bekommen würde und davon ihre Versicherungen, die Miete, Nebenkosten, Verpflegung und zusätzlich noch für Thomas aufkommen muss, sieht hier niemand. Thomas wäre nicht einmal mehr bei den Krankenkassen versichert, sodass Karin das auch bezahlen müsste. Thomas hätte absolut keine Mittel, seinen Lebensunterhalt mehr zu finanzieren.
Karin, die eine 40-Stunden-Woche hätte, geht plötzlich für einen Hungerlohn arbeiten. Da könnte Karin doch gleich arbeitslos bleiben.
Das ist der Grund, warum jemand der einen Hartz IV-Empänger als Partner hat, lieber auch arbeitslos bleiben will. Nicht, weil er nicht arbeiten will, sondern weil er umsonst arbeiten würde.
Wo bleibt hier die Gerechtigkeit?
Thomas erinnert sich, dass er damals bei Antragsstellung die „Bedarfsgemeinschaft“ angegeben hat. Hätte er das nicht getan, gäbe es heute kein Problem.

hartz_stop Hier gilt der Spruch: „Der wird bestraft, der arbeitet“. Und da fragt man sich wirklich, ob Deutschland, der Sozialstaat, tatsächlich will, dass die Arbeitslosenquote zurückgeht, dass Vollbeschäftigung erreicht wird. Wenn sich Karin gezwungen sieht, arbeitslos zu werden, damit sie und Thomas überleben, kann das nicht im sozialen Interesse sein. Absolut nicht.
Es ist klar, wenn jemand € 2.000,00 netto verdienen würde oder sogar mehr, für seinen Partner aufkommen soll. Aber bei einem Nettogehalt von knapp € 1.000,00, wo die ganzen Abzüge noch nicht miteinbezogen sind, ist das unannehmbar. Vielleicht bleibt Karin am Ende auch gar nichts mehr. Sie arbeitet 40 Stunden in der Woche für vielleicht € 100,00 – € 200,00, die sie dann noch zum Leben hätte. Hier muss man Einkäufe berücksichtigen, die Verpflegung der Haustiere und alles was sonst noch anfallen kann.

Was könnte Karin tun?
Sie könnte den Job annehmen und sich eine eigene Wohnung suchen. Sie geben bei der ARGE an, die Bedarfsgemeinschaft aufgelöst zu haben.
Karin will sich von Thomas aber nicht „Scheintrennen“. Außerdem besitzen die beiden alles gemeinsam. Sie haben Haustiere, gemeinsame Haushaltsanschaffungen – das wäre ein Unding.

Karins Fall ist kein Einzelfall. Öfter sieht man im Fernsehen Reportagen über GROß-Familien, die mit € 100,00 (!) in der Woche auskommen müssen. Meistens werden die Kinder und auch die Eltern dick, weil sie sich nur billiges Fastfood leisten können und wenn die Kinder Schokolade sehen, fragen sie sich, wie sie wohl schmeckt, weil die Eltern ihren Kindern keine Süßigkeiten kaufen können.

Sozialstaat Deutschland? Aber klar.
Es ist richtig: Dass wir eine Grundsicherung haben, wenn wir arbeitslos werden, ist hartz_iv01 super. Aber wir bekommen nicht die nötige Hilfe, um aus diesen Sumpf wieder rauszukommen, im Gegenteil. Man wird gezwungen sich der Arbeitslosigkeit des Partners anzuschließen und trotzdem muss man sich bewerben und dann noch angst haben, einen Job zu finden. Bewirbt man sich nicht, kürzt die ARGE das Geld und stellt die Zahlung am Ende ganz ein. Wir wollen alle arbeiten, wir wollen was tun, aber wenn wir das tun, wird einer bestraft: Der Partner. Egal wie rum man es sieht. Hätte Thomas einen Job bekommen und Karin wäre arbeitslos, würden wir dasselbe Spiel spielen.

Um auf die BZ zurückzukommen:
„Wer ist bedroht? – Armutsrisiko 2005 nach Bevölkerungsgruppen“

Arbeitslose = 53 %
Alleinerziehende = 36 %
16 – 24 Jahre = 28 %
bis 15 Jahren = 26 %
Ostdeutsche = 22 %
Frauen = 21 %
25 bis 49 Jahre = 17 %
Westdeutsche = 17 %
Männer = 16 %
59 – 64 Jahre = 14 %
Erwerbstätige = 12 %

Eine interessante Grafik, dachte ich. 53 % der Arbeitslosen sind von der Armut bedroht. Diese Statistik bezieht sich auf 2005. Mittlerweile kann es noch schlimmer aussehen.
Alleinerziehende mit 36 %, jedoch noch mit einem etwas größeren Abstand. Das Frauen (21 %) eher von der Armut als Männer (16 %) bedroht werden, wundert mich nicht. Die neusten Entwicklungen zeigen, dass Frauen beruflich nach wie vor benachteiligt werden und vor allem immer noch weniger verdienen.

hartz_armut Dass Deutschland ein reiches Land sein mag: Vielleicht. Aber die Schattenseiten sieht keiner.
Es gibt so viele Leute die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld machen sollen. Wenn ich im Geld baden würde, würde ich mich vielleicht gemeinnützig einsetzen. Beispielsweise gibt es da die Tafel, wo Zweite-Wahl-Lebensmittel zu absolut niedrigen Preisen verkauft werden. Warum soll man nicht mehr in dieser Richtung tun? Wenn alle(!) Reichen in Deutschland einer Stiftung angehören würden, die die Grundsicherung ein wenig mit sichern, wo aus einem riesigen Pott ein paar Gelder in das Arbeitslosengeld fließen würden – wäre das nicht nett? Viele, die Geld wie Heu haben und nicht wissen was sie damit noch tun sollen, könnten wirklich helfen. Aber das ist Deutschland: „Mir hilft auch keiner, warum soll ich dann helfen?“
So ist aber nicht nur Deutschland: Das ist die Grundeinstellung der Menschen und teilweise leider auch zurecht.

Kategorien:Bürokratie